Theorie-Workshop: Das Zusammenstellen einer Zaubershow

Von am Mai 26, 2015 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Tobias Ismaier Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Nach dem Einüben seiner Kunststücke steht man als Zauberkünstler meistens vor einer viel größeren Aufgabe als dem Erlernen eines neuen Griffes oder dem Einprägen des Skripts. Denn dann geht es darum, das erlernte Material sinnvoll zu einer zusammenhängenden Show zu verbinden. Natürlich kann man seine Kunststücke einfach aneinander reihen, doch dann hat man nicht automatisch ein tolles Programm. Die Grundzüge einer gut strukturierten Zaubershow beleuchten wir in diesem Theorie-Workshop.

 

Welcher Charakter bin ich auf der Bühne?

Welchen Charakter stelle ich dar?

Welchen Charakter stelle ich dar?

 

Diese Frage muss sich jeder Zauberkünstler stellen, bevor er mit dem Zusammenstellen seiner Show anfängt. Bin ich Comedy-Zauberer wie Bill Malone oder ein ernster Mentalist wie Jan Becker? Oder vielleicht bin ich auch einfach nur ich? Jedem Zauberer muss klar sein, welcher Charakter er auf der Bühne ist bzw. welchen er spielt.

Auf den Charakter wird schließlich die ganze Show abgestimmt, sowohl die Kunststücke als auch das Skript. Ein mysteriöser Mentalmagier wird kaum Mouth Coils aus seinem Mund ziehen, genauso wenig wird ein als Clown verkleideter Comedy-Zauberer herausfinden, welcher der Zuschauer an einen lebenden und welcher an einen verstorbenen Angehörigen denkt. Nur mit einem glaubwürdigen Charakter und einer darauf abgestimmten Show können Sie das Publikum auf Ihre Seite bringen.

 

Auswahl der Zauberkunststücke

 

Zuerst muss man sich folgende Fragen stellen: Was will ich überhaupt zeigen? Welche Kunststücke sind meine stärksten? Welche Kunststücke passen am besten zu meinem Charakter? Binden die Kunststücke das Publikum mit ein? Habe ich zu jedem Kunststück eine unterhaltsame Präsentation parat?

Abwechslung bei den gezeigten Routinen ist ein sehr wichtiger Punkt. Wenn Sie die Gedanken des Publikums zum fünften Mal nacheinander gelesen haben, wird sich auch der letzte Zuschauer langweilen und es besteht zudem das Risiko, dass das Publikum auf die Tricktechnik kommt.

Auch die Reihenfolge der Tricks spielt eine wichtige Rolle. Das erste und das letzte Kunststück sollten die stärksten Effekte sein, dazu später mehr.  Ansonsten sollten Sie die Reihenfolge so wählen, dass sich die Effekte in ihrer Wirkung stetig steigern.

 

Die Eröffnung der Zaubershow

 

Der erste Eindruck ist auch bei einer Zaubershow entscheidend. Lassen Sie sich vom Gastgeber ansagen, oder starten Sie erst mit einem schnellen Kunststück und stellen sich dann selber vor? Die ersten Minuten müssen auf jeden Fall perfekt sitzen und Ihrem Publikum direkt vermitteln, dass es auch den Rest des Programms noch viel Spaß mit Ihnen haben wird. In diesem Zusammenhang ist auch die Wahl des Openers von größter Bedeutung – das erste Kunststück, der Dosenöffner Ihrer Zaubershow.

 

Der rote Faden

 

Ihre Kunststücke sollten sinnvoll miteinander verbunden sein. Ein einheitliches Thema der Show ist natürlich sehr schön, aber kein Muss. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die gezeigten Tricks gut ineinander übergehen, sei es durch Ihre Präsentation oder durch die Verwendung der gleichen Requisiten. Das ist besonders wichtig für den Spannungsbogen des Programms. Wenn sie die Routinen ohne Überleitung und ohne sinnvolle Reihenfolge aneinander reihen, entstehen Lücken und die Zaubershow wirkt nicht schlüssig.

 

Der Abschluss der Show

 

Wie der erste ist natürlich auch der letzte Eindruck Ihrer Show sehr wichtig. Welches Kunststück ist Ihr letztes? Ihr Closer sollte den Zuschauern am stärksten im Gedächtnis bleiben und das Programm zu einem würdigen und eindeutigen Abschluss bringen. Nach Beendigung der Routine muss jedem Zuschauer im Publikum klar sein: Das war das Ende der Zaubershow. Außerdem ist es sehr wichtig, wie Sie sich vom Publikum verabschieden, denn auch das bleibt hängen. Eine Erwähnung Ihres Namens ist hierbei genauso zwingend wie eine Danksagung an das Publikum für die Aufmerksamkeit und die Unterstützung während der Show.

Eine gute eigene Zaubershow entwickelt sich natürlich nur über etliche Live-Vorführungen und anschließende Verfeinerungen. Dieser Theorie-Workshop soll lediglich als Einstiegshilfe dienen, alles andere ergibt sich dann durch das Ausprobieren und Lernen von Fehlern (“Trial and Error”). Feedback von Zauberkollegen und Laien ist sehr wichtig. Fragen Sie nach Ihrer Zaubershow nach ehrlicher Kritik des Publikums, so können Sie die größten Schwachstellen am schnellsten ausmerzen und wissen sofort, wo Ihr Programm am stärksten ist. Der regelmäßige Besuch bei Zaubershows bekannter Künstler kann natürlich ebenfalls inspirieren und zeigt zugleich, was für Publikum funktioniert und was nicht.

Viel Spaß und Erfolg beim Zusammenstellen Ihrer persönlichen Zaubershow!