Tossed out Deck – Freiwillige nach vorne!

am Apr 12, 2017 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Eine bekannte Situation: für einen bestimmten Zaubertrick – zum Beispiel ein Mentaleffekt auf der Bühne – werden ein paar Freiwillige benötigt und wie das immer so ist, hat man ein recht passives Publikum erwischt und keiner meldet sich freiwillig… oder: man wählt für den Effekt ein paar Freiwillige, die auch gerne und bereitwillig mitmachen und der Effekt gelingt natürlich. Doch anstelle von großer Begeisterung geht eher die Meinung, alles sei vorher abgesprochen worden, durch das Publikum… Beide Beispiele sind zugegebenermaßen sehr negativ orientiert, können aber tatsächlich so eintreten und dass hat dann nicht zwangsweise mit einer falschen Art der Vorführung zu tun, sondern liegt einfach oft am Publikum. Natürlich liegt es nicht in der Natur des professionellen Zauberkünstlers, das einfach so hinzunehmen und einen Misserfolg zu riskieren, daher muss man sich schon im Vorfeld auf derartige Situationen einstellen und vorbereiten. Im Regelfall werden sowieso die Effekte an die Situation und an das Publikum angepasst, so dass man sich sozusagen schon im Vorfeld „rüstet“. Doch nun einmal konkret zur oben dargestellten Problematik – eine Lösung ist hierbei, die Zuschauer auf „schleichende“ Art einzubinden – praktisch so dass die „Freiwilligen“ es zunächst nicht bemerken, dass Sie schon mehr oder minder auf dem Weg zur Bühne sind. Erst wenn schon eine Interaktion zwischen Zauberkünstler und Zuschauer stattgefunden hat, wird er plötzlich und (für ihn) überraschend gebeten, auf die Bühne zu kommen. Das ganze macht es dem Zuschauer fast unmöglich, abzulehnen. Die folgenden Beispiele sollen die Thematik noch etwas verdeutlichen: Negativ-Beispiel: Der Zuschauer wird plötzlich und überraschend aufgefordert, mit zu machen oder gart auf die Bühne zu kommen. Dabei ist der Zuschauer für gewöhnlich überfordert und reagiert dann oftmals mit Ablehnung. Hier greift praktisch der Schutz-Instinkt – sofern das so ist, ist es nur noch schwer möglich den Zuschauer umzustimmen und ein „gutes Gefühl“ wird man dem Zuschauer unter diesen Bedingungen i.d.R. nicht mehr geben können. Daher sollte man von dieser „dreisten“ Art auf jeden Fall Abstand nehmen. Positiv-Beispiel: Der Zuschauer wird zunächst als Helfer für eine winzige Kleinigkeit eingebunden; zum Beispiel um eine Karte zu ziehen oder einen Gegenstand zu halten. Das Ganze soll so behutsam erfolgen, dass der Zuschauer sich nicht als „Bestandteil des Tricks“ fühlt. Währenddessen geschieht psychologisch beim betroffenen Zuschauer jedoch einiges, denn dieser bereitet sich i.d.R. unterbewusst schon darauf vor, noch irgendetwas tun zu müssen – und sei es auch nur das Aushändigen einer Karte. Wird der Zuschauer dann in freundlichem Ton um weitere Mithilfe gebeten, ist es für ihn selbst viel einfacher und angenehmer, denn er hat dabei für gewöhnlich nicht das Gefühl, „überfallen“ zu werden. Zwar sind diese Beispiele nur recht pauschal, da man in der Bühnenpraxis doch recht unterschiedliche Reaktionen erlebt, aber dieses genannte Verhaltensmuster ist doch relativ oft anzutreffen und daher eine ziemlich gute Grundlage für die Vorbereitung. Soweit, so gut, aber es bleibt noch die Tatsache, dass die Zuschauer hinterher immer behaupten könnten, alles sei abgesprochen gewesen. Aus diesem Grund sollte man auch hiergegen im Vorfeld eine Vorkehrung treffen. Möglichkeiten wären z.B.: man wählt einen Zuschauer, den die meisten anderen Zuschauer kennen und von dem man i.d.R. weiß, dass er eine Absprache nicht mitmachen würde. Bei größeren / wichtigen Veranstaltungen könnten dies zum Beispiel Personen wie Bürgermeister, Gastgeber oder Chefs sein. oder aber man lässt den Zufall entscheiden, so dass es praktisch jeden Zuschauer hätte treffen können. Eine gute Möglichkeit, Zuschauer per Zufall auszuwählen, ist z.B. der Effekt „Tossed Out Deck von Gazzo„. Hierbei handelt es sich um ein Kartenspiel, das mit einem Gummiband zusammen gebunden und dann zwischen die Zuschauer geworfen wird. Derjenige Zuschauer der das Tossed Out Deck fängt, darf es an der Kante durchriffeln, an einer beliebigen Stelle stoppen und sich dann die entsprechende Karte merken. Anschließend wird das Kartenspiel von diesem Zuschauer weiter zum nächsten Zuschauer geworfen, dieser merkt sich dann auch eine beliebige Karte daraus. Das Ganze geht so lange, bis sich fünf Zuschauer eine Karte gemerkt haben, danach geht das Kartenspiel wieder zum Zauberkünstler zurück. An dieser Stelle beginnt der eigentliche Effekt und gleichzeitig auch die Wahl der „Freiwilligen“. Dabei erklärt der Zauberkünstler, dass er nun fünf Kartenwerte nennen wird, dabei soll jeder der fünf Zuschauer, der seinen vorher gewählten Kartenwert hört, einfach aufstehen… Anschließend werden die fünf Kartenwerte genannt und alle fünf Zuschauer stehen da – das sind dann die Freiwilligen die per Zufall gewählt wurden und zudem noch bei einem Gedankenlese-Wunder mitgewirkt haben. Das Tossed Out Deck kann noch auf zahlreiche andere Arten verwendet werden… letztendlich ist entscheidend, dass die Vorführung vom Ablauf her schlüssig zur Situation...

Brainstorm, Brainstorm Pocket oder Scribble?

am Apr 24, 2012 in Wissenswertes

Die Gedanken eines anderen Menschen lesen zu können ist ein großes Ziel der Mentalisten. Tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten und Techniken, um dies zu bewerkstelligen – einige davon sind mehr und andere weniger praktikabel – darunter wiederum einfache und schwierige. Was liegt näher um aus den besten und zuverlässigsten Methoden die einfachste auszusuchen? Auf dieser Suche stößt man schnell auf drei Hilfsmittel die speziell für Mentalisten entwickelt wurden: Brainstorm, Brainstorm Pocket und Scribble. und schon stellt sich die Frage, worin unterscheiden sich diese drei Hilfsmittel und welches ist das Beste für die eigene Gedankenleser-Routine? Zunächst einmal die drei Hilfsmittel im kurzen Überblick: – Brainstorm ist ein so genanntes Impression Device, dabei handelt es sich um einen Gegenstand der Notizen des Zuschauers auf unauffällige Art an den Zauberkünstler übermittelt. In diesem Fall ist das ganze in einem normal aussehenden A4 Schreibbrett verbaut und somit lässt sich das geheime Hilfsmittel problemlos auf der großen Bühne bzw. im StandUp-Bereich einsetzen. Das Schreibbrett ist transparent so dass alle Zuschauer direkt sehen können, dass weder davor noch dahinter irgendetwas versteckt ist. Gerade auf die größere Distanz im StandUp-Bereich bringt dies gleich einen großen Glaubwürdigkeits-Bonus. – Brainstorm Pocket ist sozusagen der kleine Bruder des oben genannten Brainstorm. Die Funktionsweise ist exakt die gleiche, nur das Format ist anders (10,7 cm x 18,5 cm). Wer also nicht auf der großen Bühne steht sondern eher  in unmittelbahrer Nähe zu den Zuschauer steht oder sitzt, der wird in der Pocket-Variante einige Vorteile entdecken, denn Brainstorm Pocket ist aufgrund des kleineren Formates handlicher und kann so ganz einfach in der Hosentasche oder in der Jackentasche transportiert werden. Das Board ist bei dieser Ausführung schwarz aber der mitgelieferte Filzstift ist exakt der gleiche. – Scribble basiert zwar auf dem gleichen Grundprinzip wie Brainstorm und Brainstorm Pocket, jedoch ist das Gimmick in diesem Fall variabler einsetzbar und kann dadurch in Spielkarten oder in Visitenkarten versteckt werden. Entsprechend ist der Trickablauf auch etwas anders. Wo die Brainstorm-Boards meist direkt und unverblümt in Mental-Effekten zum Einsatz kommen, kann man Scribble z.B. auch als Kartentrick tarnen. Aufgrund der umfangreicheren Einsatzmöglichkeiten ist bei Scribble eine ausführliche, deutschsprachige  Anleitungs-DVD dabei wohingegen die beiden oben genannten Varianten „Brainstorm“ und „Brainstorm Pocket“ mit Booklet geliefert werden. Um nun unter diesen drei Varianten die richtige Wahl zu treffen kann man einfach wie folgt vorgehen: Will man auf der Bühne und vor großem Publikum Gedanken lesen? Wenn „Ja“, dann ist „Brainstorm“ die richtige Wahl (also die A4-Große Variante). Falls „Nein“: weiter bei 2. Will man in erster Linie Gedanken lesen in Form von klassischen Mentalismus oder will man diesen Effekt auch mal am Tisch sitzend mit Karten vorführen (oder gar impromptu mit Visitenkarten vor Geschäftspartnern und Kunden)? Falls es eine reine, klassische Mental-Nummer werden soll, ist man mit Brainstorm Pocket ideal bedient. Falls man mehr Abwechslung möchte: weiter bei 3. Für Abwechslung und variable Anwendungsmöglichkeiten ist Scribble die ideale Entscheidung. (Falls nun noch Zweifel sind: weiter bei 4.) Wenn man sich nicht auf Kompromisse einlassen möchte kann man selbstverständlich auch beliebig kombinieren – am meisten Sinn macht dabei entweder die Kombination „Brainstorm und Brainstorm Pocket“ oder „Brainstorm und Scribble“. Abschließend lässt sich nur noch feststellen, dass jedes der drei genannten Hilfsmittel seine ganz eigenen Vorteile hat. Wer diese für sich zu nutzen weiß, der kann damit für jede Menge Begeisterung und für verblüffte Gesichter bei den Zuschauern sorgen. Etwas Übung gehört natürlich wie immer dazu, allerdings ist die Handhabung bei allen drei Hilfsmitteln sehr einfach und...

Was ist eigentlich „Cold Reading“

am Mrz 26, 2010 in Wissenswertes

Kurz gesagt ist Cold Reading der Fachbegriff für eine Technik, die von Mentalkünstlern, Hellsehern und Wahrsagern dazu verwendet wird, um von einer Person während eines Gespräches unauffällig ganz bestimmte (Relevante) Informationen zu erlangen. Bei professioneller Ausführung lassen sich durch Cold Reading jede Menge Informationen erhaschen, ohne dass der Gesprächspartner Verdacht schöpft. Was nun genau das Wort „Cold“ in diesem Fachausdruck bedeutet, lässt sich ganz einfach erklären. Es bedeutet, dass man ohne Vorwissen in das Gespräch geht. Ähnlich wie im Marketing, dort spricht man von „Cold Calling“ (Kaltakquise), wenn versucht wird, einen unbekannten (potenziellen) Kunden, mit dem noch keinerlei Geschäftsbeziehung bestand, anzuwerben. Das Gegenteil von „Cold Reading“ ist das so genannte „Warm Reading“, diese Technik wird sehr häufig bei Mentalkunststücken vor sehr großem Publikum angewendet. Beim Warm Reading beschafft sich der Zauberkünstler schon vor der Vorführung die entsprechenden Informationen. Oftmals werden zum Beispiel Telefonnummer vorab aus dem Telefonbuch heraus gesucht… Nun wieder zurück zum Cold Reading – die Technik kann man zum Beispiel bei Wahrsagern sehr gut beobachten. Dieser äußert Aussagen, die so allgemeingültig formuliert sind, dass sie auf die meisten Menschen zutreffend sind. In der Psychologie spricht man vom so genannten „Barnum-Effekt“, das bedeutet, dass Menschen sehr häufig allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung akzeptieren und zustimmen. Dieser Effekt lässt sich auch ganz einfach selbst testen. Konfrontiert man einen Mitmenschen nach einem langen Arbeitstag am Abend mit folgender Aussage „Du fühlst dich einigermaßen gut, aber es gab heute schon ein kleines Problem!“, so wird meistens eine Zustimmung folgen. Dieses Beispiel ist natürlich sehr banal und noch relativ unspektakulär, da einfach zu durchschauen. Die Aussagen professioneller Cold Reader hingegen sind meist sehr ausgeklügelt und abstrakt. Meist sind viele Aussagen zu einem ganzen Schema verknüpft, so dass es für jede mögliche Reaktion des Probanten auch eine passende Gegenreaktion des Mentalkünstlers gibt. Dadurch können selbst negative Rückmeldungen abgefangen und umgelenkt werden, zum Schluss steht immer die Aussage des Künstlers als „wahr“ da. Cold Reading ist eine eigene Form der Mentalzauberei. Man kann diese Kunst erlernen, muss dazu jedoch ein gewisses Fingerspitzengefühl und ein gewisses Maß an Rhetorik mitbringen. Es gibt zu diesem Thema sogar Übungsmaterial zu kaufen. Sehr empfehlenswert ist z.B. die DVD namens „Draw me a Tree„, welche es im Zauberladen unter stemaro-magic.de online zu kaufen gibt. Im Alltag ist das Cold Reading nicht nur in der Mentalmagie anzutreffen. Auch in Verkaufsgesprächen mit geschulten Verkäufern oder bei Sitzungen bei einem Psychologen kommt das Cold Reading sehr oft zum...