Kartenpuder – was ist das und wie wird er verwendet?

Von am Feb 25, 2016 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Manuel Seidl Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Jeder Zauberkünstler weiß, wie wichtig die Oberflächenbeschaffenheit einer Spielkarte ist – nur durch eine qualitativ hochwertige Oberfläche und durch gute Gleiteigenschaften werden saubere Kartenfächer und exakte Shuffles möglich. Sobald die Spielkarten einen bestimmten Abnutzungsgrad erreicht haben ist ganz schnell bemerkbar, wie schwierig es wird, damit noch exakt zu arbeiten.

Im Regelfall wirft man die Karten dann weg und nimmt ein neues Päckchen – zur heutigen Zeit sind gute Karten nicht mehr teuer und ein regelmäßiger Austausch der Karten ist somit kein Problem. Was ist allerdings, wenn es sich um spezielle Trickkarten bzw. Gimmicks mit besonderem Druck oder besonderer Präparation handelt?  In so einem Fall bleibt oftmals nur die einzige Möglichkeit, die Karten wieder aufzubereiten – und genau das funktioniert mit Kartenpuder bzw. Fanning-Powder.

Kartenpuder wird allerdings nicht nur zum Wiederaufbereiten von alten Karten benutzt – ganz im Gegenteil, denn viel häufiger noch wird Kartenpuder von Kartenprofis zum Vorpräparieren von Spielkarten verwendet. Die Anwendungsbereiche von Kartenpuder lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Zum Wiederaufbereiten von benutzten / abgenutzten Spielkarten. Die abgenutzte und ungleichmäßige Oberfläche wird wieder aufbereitet und die Karten erlangen die ursprünglichen Gleiteigenschaften zurück.
  2. Zum Aufbereiten minderwertiger Spielkarten – oftmals ist das nötig, wenn man für einen Effekt einen bestimmten Kartentyp (z.B. wegen des Rückenmusters) benötigt, welcher allerdings kein gutes Oberflächenfinish besitzt. Mit dem Kartenpuder können so auch Spielkarten mit ursprünglich schlechten Gleiteigenschaften und minderwertigem Oberflächenfinish relativ gut gleitfähig gemacht werden.
  3. Bei Effekten mit mehrfachen oder unterteilten Rau-Glatt-Präparationen. Je kleiner die Raupräparation an einer Spielkarte ist, desto schwieriger wird es, die Karten richtig zu beherrschen. Daher werden zusätzlich zur Rau-Präparation die übrigen Stellen oftmals mit Kartenpuder behandelt. Hierdurch werden die unpräparierten Stellen noch glatter wodurch sich die Differenz des Reibungskoeffizienten zwischen rauen und glatten Stellen erhöht. So wird das Kartenspiel besser handhabbar.

Doch was genau ist Kartenpuder eigentlich und wie wird es angewendet?
Zwar gab es in der Vergangenheit ein paar verschiedene Arten von Kartenpuder, jedoch hat sich davon nur eine einzige Art durchgesetzt – der Grund hierfür liegt auf der Hand: es war nicht nur die preiswerteste Lösung sondern zugleich auch die Beste. Die Rede ist von “Zinkstearat” – nahezu jedes im Handel angebotene Kartenpuder besteht zu 100% aus Zinkstearat.

Zinkstearat ist eine Chemikalie die u.A. als Stabilisator für Kunststoffe (z.B. PVC) verwendet wird. Stearate sind im allgemeinen Salze der Stearinsäure und werden auch als “Metallseifen” bezeichnet… was aber für die Anwendung in der Zauberkunst eher unwichtig ist.

Wichtig für den Umgang  ist allerdings, zu wissen worauf mach achten muss. Zwar ist Zinkstearat nicht wirklich giftig und bisher sind keine nennenswerten Gefahren für den menschlichen Körper bekannt, trotzdem sollte diese Chemikalie nicht in die Augen oder in Atemwege gelangen; Reizungen wären die Folge.
Unbedingt vermeiden sollte man größere Staubbildungen, denn wie man es von der bekannten “Mehlstaubexplosion” kennt, kann es auch bei dichter Aufnebelung von Zinkstearat zu einer Staubexplosion kommen – dabei kann u.U. schon ein Funke aus einer statischen Aufladung ausreichend sein, um die Staubpartikel zu entzünden (übrigens: bei der Verbrennung entstehen giftige Dämpfe).

Nun zur Anwendung von Kartenpuder bzw. Zinkstearat:
Die Arten der Anwendung sind unterschiedlich – je nachdem ob man ein gesamtes Kartenspiel präparieren möchte oder nur eine kleine Stelle auf einer Spielkarte präpariert werden soll.

Wenn gleich ein komplettes Kartenspiel mit Kartenpuder präpariert werden soll, so funktioniert das am einfachsten wie folgt: man nehme eine Papiertüte (z.B. vom Bäcker) und blase diese vollständig auf. Dann werden die Karten in die Tüte hinein geworfen und eine Messerspitze Kartenpuder darauf verteilt. Anschließend wird die Papiertüte verschlossen und ca. eine Minute lang leicht geschüttelt bis sich der Kartenpuder gleichmäßig über alle Karten verteilt hat. Danach wird geprüft, ob die Spielkarten die gewünschten Gleit-Eigenschaften aufweisen und falls nicht, kann die Prozedur ggf. wiederholt werden, so lange bis die Karten perfekt sind.

Wenn hingegen nur bestimmte Teilbereiche der Karten präpariert werden sollen, so wird zunächst ein Stofftuch (z.B. Stofftaschentuch) benötigt. Das Tuch wird auf dem Tisch ausgebreitet und etwas Kartenpuder wird in die Mitte des Tuches gelegt. Dann wird das Tuch so zusammengefaltet, dass sich daraus praktisch eine Quaste ergibt, in welcher sich der Kartenpuder befindet (es werden also einfach die Ecken des Tuches nach oben genommen und der untere Teil in dem sich der Puder befindet wird zu gedreht).
Mit dieser Quaste kann man die betroffenen Stellen betupfen und somit den Puder einfach und gleichmäßig auftragen.

Wie schon weiter oben erwähnt, ist immer darauf zu achten, Staubbildung zu vermeiden. Am besten sollte die Anwendung, egal ob mit Tüte oder mit Quaste, ausschließlich im Freien oder in gut belüfteten Räumen passieren.

Sollte einmal etwas Kartenpuder auf eine falsche Stelle gelangen (z.B. bei Rau-Glatt-Präparationen auf den rauen Bereich), so lässt sich der Kartenpuder mit etwas Spiritus wieder weg wischen.
Abgesehen davon sollte man bei der Anwendung von Kartenpuder immer auf die richtige Dosierung achten. Lieber zu wenig verwenden und dann einfach mehrmals nachpräparieren als gleich eine zu große Dosis zu verwenden und dadurch eventuell die Karten für immer zu zerstören.

Kartenpuder ist im gut sortierten Zauber-Fachhandel erhältlich (z.B. bei SteMaRo-Magic.de). Alternativ kann man sich das Zinkstearat auch im Chemikalienhandel beschaffen, erfahrungsgemäß kosten Kleinmengen unter 10 Kilo dort jedoch meist erheblich mehr als über den Zauberfachhandel.