Theorie-Workshop: Charakterfindung für Zauberkünstler

am Jul 13, 2015 in Allgemein, Tipps & Tricks

Jeder Zauberkünstler macht sich Gedanken über sein Material, seine Requisiten und seine jeweiligen Skripte bzw. Präsentationen. Doch die allerwenigsten machen sich tatsächlich aktiv Gedanken darüber, wer sie auf der Bühne überhaupt sind. Zu wissen, welcher Charakter man in der Zauberkunst ist, spielt eine extrem große Rolle und wirkt sich nachhaltig auf das eigene Programm aus. Was ist wichtig bei der eigenen Charakterfindung? Wir haben ein paar Punkte zusammengetragen.   Die eigene Persönlichkeit   Wer bin ich im „echten Leben“? Bin ich ein seriöser Banker oder der Klassenclown? Bin ich offen gegenüber anderen? Bin ich etwas langsamer oder extrem aufgeweckt? All das gehört zum eigenen Charakter. Sie sollten Ihre Persönlichkeit in der Zauberkunst immer Ihren wahren Charakterzügen anpassen. Das steigert die Authentizität Ihrer Person und so auch die Sympathie beim Publikum. Und wenn Sie dem Publikum sympathisch sind, steht einer erfolgreichen Performance nichts mehr im weg.   Rollenspiel?   Wenn man sich ausführlich mit seinen Charaktereigenschaften beschäftigt hat, sollte man sich überlegen, welchen Charakter man letztendlich in der Zauberkunst einnehmen möchte. Da gibt es im Grunde zwei verschiedene Möglichkeiten: Das Schlüpfen in eine Rolle:Hier erfinden Sie Ihren Charakter neu und erschaffen eine eigene Kunstfigur, die bei Vorführungen in Erscheinung tritt. Ein Beispiel ist der liebenswerte Drache „Piff, the Magic Dragon“, gespielt von John Van der Put. Das ist ein absolutes Musterbeispiel: Hier ist das Skript, das Kostüm und die benutzten Requisiten komplett an den eigenen Charakter angepasst. Wer vom humorvollen Drachen noch nichts gehört hat, sollte sich dringend ein paar seiner Vorführungen ansehen – eine Lehrstunde in Sachen Charakterfindung. (https://www.youtube.com/watch?v=HybdQUCepFw   …bei dem dort gezeigten Kartentrick handelt es sich übrigens um „VDP“ von John van der Put… erhältlich bei SteMaRo-Magic.de) Doch auch hier gilt: Der erfundene Charakter sollte mit den Eigenschaften Ihres echten Charakters einhergehen. Sonst wirkt er aufgesetzt und das nimmt einem oftmals die Glaubwürdigkeit beim Publikum. „Ich bin einfach nur ich“:Das ist natürlich auch eine Option und erleichtert es Ihnen ungemein, während einer Vorführung auch authentisch zu sein. Hierbei ist es immer wichtig, sich bei jedem Schritt zu fragen: Würde ich das im „echten Leben“ auch so machen? Würde ich diese Kleidung wirklich tragen? Passen diese Requisiten zu meinem „echten Ich“? Diese Wahl dieses Charakters ist wohl für die meisten Anfänger die beste Wahl, da man sich nicht verstellen muss und sich mehr auf die eigentliche Zauberei fokussieren kann.   Die Auswahl geeigneten Materials:   Im Kern dreht sich bei einer Zaubershow natürlich im Wesentlichen trotzdem alles um die Zauberei. Doch welche Zaubertricks passen ins Programm und zum eigenen Charakter? Das lässt sich meistens sehr schnell erfühlen. Ein ernster Mentalist sollte in seinem Programm natürlich keine Ballontiere basteln. Genauso wenig sollte ein als Pirat verkleideter Kinderzauberer die Gedanken seines Publikums lesen. Selbstverständlich sind das Extrembeispiele und es ist nicht immer ganz so offensichtlich. Deswegen ist es durchaus nicht falsch, im Zweifel eine Routine einfach ins Programm zu stecken und auszuprobieren. Hier werden Sie ziemlich schnell merken, ob der Effekt zu Ihrem Charakter passt.   Kleidung und Requisiten   Die Auswahl des Outfits und der verwendeten Requisiten ist ebenfalls sehr wichtig, denn sie trägt ungeheuer zur Präsentation des eigenen Charakters bei. Im Beispiel „Piff“ weiß man von der ersten Sekunde, mit wem man es hier zu tun hat – und das ohne ein gesprochenes Wort des Zauberkünstlers. Die Auswahl trägt allgemein auch zur Atmosphäre bei und sollte deshalb auf keinen Fall unterschätzt werden. Gerade bei den Requisiten wird oft nicht so viel Wert auf das Äußere gelegt, Hauptsache sie funktionieren. Doch das Publikum merkt unterbewusst genau, wenn etwas nicht zusammenpasst. Das senkt nicht nur Ihre Authentizität auf der Bühne, sondern schöpft auch Verdacht, dass das Geheimnis nur in den Requisiten liegt.   Abschließende Bemerkungen   Beim eigenen Charakter gibt es natürlich kein Richtig oder Falsch. Jeder sollte den Charakter einnehmen, in dem er sich besonders wohl fühlt und mit dem er die beste Performance abliefern kann. Den passenden Charakter hat man natürlich auch nicht von heute auf morgen gefunden, das ist ein langjähriger Prozess über hunderte Vorführungen hinweg. Auch hier gilt wieder das Prinzip „Trial and Error“. Also viel Spaß und Erfolg beim...

Einfache Zaubertricks – gesucht und gefunden

am Apr 12, 2010 in Allgemein, Wissenswertes

Nicht jeder Zauberkünstler hat die Zeit, lange für komplizierte Zaubertricks mit hohem Schwierigkeitsgrad zu üben. Meist ist das auch gar nicht nötig, denn die Wahl der passenden Tricks hängt grundsätzlich davon ab, zu welchen Gelegenheiten die Effekte gezeigt werden und genau hierbei sind die Anforderungen eines jeden Zauberkünstlers unterschiedlich. Wenn man als professioneller Zauberkünstler eine gut konzeptionierte Show für z.T. hohe Gagen anbietet, ist die Erwartungshaltung des Zuschauers natürlich entsprechend hoch. Mit einfachen Kartentricks wie „ziehen Sie eine Karte… es ist die Herz 3!“ kann man der hohen Erwartungshaltung i.d.R. nicht gerecht werden. Hier müssen schon mehrere Faktoren stimmen, zum Beispiel sollte der Vortrag sowie die Auswahl der Effekte zur jeweiligen Situation passen (Hochzeit, Geburtstag, Magic Dinner oder Gala Abend). Ebenfalls ist es wichtig, dass die gezeigten Zaubertricks eine gewisse Zeit auf kurzweilige, unterhaltsame und möglichst spannende Weise füllen. 30-Sekunden-Effekte sind für gewöhnlich ungeeignet, wenn man damit z.B. ein einstündiges Programm füllen muss. Hingegen ist es unter Freunden im kleinen Kreise zum Beispiel im Restaurant oder in Café nicht sinnvoll, aufwändige und langwierige Effekte zu zeigen. Meist ist es viel unterhaltsamer, den Überraschungs-Effekt zu nutzen und die Zuschauer mit einem völlig unerwarteten oder schnellen Zaubertrick zu überraschen. Zaubertricks die keine Fingerfertigkeit erfordern und nahezu automatisch funktionieren, nennt man „Selbstgänger“. Keinesfalls sollte man hierbei „Selbstgänger-Kunststücke“ mit „Anfängertricks“ verwechseln, der Unterschied ist klein aber fein: Anfängertricks sind Effekte die dazu geeignet sind, die Zauberkunst zu erlernen. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei natürlich entsprechend niedrig, allerdings ist i.d.R. bei vielen Anfängerkunststücken irgendein Griff oder eine Technik vorhanden, die man im Laufe der Umsetzung des Effektes erlernt. Ein Anfängertrick muss also nicht immer einfach sein oder von selbst funktionieren. Selbstgänger-Zaubertricks hingegen sind Effekte bei welchen man kaum etwas können oder üben muss. Wenn man diese Effekte vorführt, kann man sich voll und ganz auf die Präsentation und den Vortrag konzentrieren. Klassische Selbstgängertricks sind zum Beispiel: Geldscheinkarten – bei diesem Zaubertrick erscheint ein echter Geldschein zwischen zwei zuvor vollständig gezeigten Spielkarten. Der besondere Clou ist, dass der erschienene Geldschein sofort zum Bezahlen verwendet werden kann. Powerball 60 – dieser Zaubertrick vom Zauberkünstler „Richard Sanders“ ermöglich es, eine vom Zuschauer gedachte Zahl anhand von ein paar Rubbel-Losen zielsicher zu erraten. Locked Deck – das ist ein Kartentrick bei dem eine vom Zuschauer gewählte Karte aus dem Kartenspiel verschwindet und in der Tasche des Zauberkünstlers wieder erscheint. Die Besonderheit ist, dass die Karten die ganze Zeit über mit einem Schloss gesichert sind und vom Zuschauer gehalten werden, trotzdem wandert die Karte mühelos. Optical Wallet – mit diesem kleinen Kartenetui ist es möglich, den Aufdruck von einer Spielkarte auf eine andere überspringen zu lassen, das ganze funktioniert in der Hand des Zuschauers und erfordert keine Fingerfertigkeit. Fantastic Box – dieses kleine Kästchen kennen viele schon aus der Kindheit. Es handelt sich dabei um ein Miniatur-Schubladenkästchen mit dem Gegenstände herbei- oder weggezaubert werden können, auch Verwandlungen sind möglich. Nothing Box – bei diesem Zaubertrick ist die Handlung für den Zuschauer besonders gut nachvollziehbar. Es geht dabei um eine kleine Metalldose die beim Schütteln laut klappert. Sobald der Deckel abgenommen wird ist jedoch nichts mehr zu sehen; was beim Schütteln eben noch klapperte ist ein unterhaltsames Rätsel für die Zuschauer. Oft sind Selbstgänger-Zaubertricks auch mehr als nur „unterhaltsame Effekte“, denn viele professionelle Zauberkünstler haben den Einstieg in die Zauberei eben über diese Effekte geschafft, nachdem der schnelle Erfolg motivierte und zu „mehr“...