Unsichtbarer Faden – Invisible Thread… und was Zauberkünstler damit anstellen

Von am Mai 28, 2020 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Philipp Kainz

Schwebeffekte gehören mit Sicherheit zu den stärksten Effekten, welche die Zauberkunst zu bieten hat. Sie sind visuell, einfach zu beschreiben (aus Zusehersicht) und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Bei richtiger Vorführung sind die Zuseherreaktionen überwältigend und Ihr Publikum wird sich noch sehr lange an das Kunststück zurückerinnern.
Bei einer meiner stärksten Routinen schwebt am Ende der geliehene Ring des Zusehers unmittelbar vor seinen Augen. Die Reaktionen sind überwältigend und dieses Kunststück hat mir sicher schon einige Buchungen eingebracht.

Mit unsichtbaren Fäden (Invisible Thread = IT) sind aber nicht nur Schwebeeffekte möglich, sondern auch Effekte, wie z. B.: Animationen (Haunted Deck, Gabel bewegt sich, etc.) und Invisible Touch – Routinen.

Somit können Sie mit ein und demselben Gimmick unterschiedliche Effekte darstellen, wodurch die Methoden unabhängig voneinander sind und somit gut verschleiert werden.

Am Anfang ist die Arbeit mit IT ein wenig frustrierend, da der Faden sehr oft reißt und man beim Üben sehr viel Zeit damit aufwendet, Fäden zu „strippen“ (= das Extrahieren einer einzelnen Faser eines Fadens), oder sein Invisible Thread Reel (ITR) zu reparieren. Dies ist aber ein wichtiger Prozess, bekommt man so doch nur auf diese Art und Weise ein sehr gutes Gefühl für sein „Werkzeug“, die richtige Spannung und lernt schnell sorgsam mit seinem Faden umzugehen.
Dies ist auch die Phase, bei welcher die meisten aufgeben und sagen, dass Fäden nichts für Sie sind.
Ist man einmal darüber hinaus, hat man für den Rest seines Lebens ein wahres Wunder in seinem Repertoire.
Darüber hinaus lassen sich Fäden sehr gut transportieren, sodass man immer ein wenig IT in der Geldbörse haben kann.

Bei Fäden haben sich unterschiedliche Systeme bewährt, welche alle sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Durch die Vielseitigkeit kann man aber sehr gut auf die unterschiedlichen Situationen eingehen und sich sehr gut abstimmen.

Die wichtigsten Systeme sind:

Ich für meinen Teil verwende alle 3 Systeme, wobei ich im Moment bei meinen professionellen Auftritten nur die ersten beiden Systeme verwende.

Der statische Faden:

Dies ist ein Faden, welcher aus sogenanntem Bauschgarn (engl. Wooly Nylon) gewonnen wird. Zur Not kann man auch eine alte Damenstrumpfhose auftrennen.

Der große Vorteil dieses Fadens ist sein Preis. Hat man einmal eine Spule Bauschgarn (ca. € 10,-) hat man, selbst bei sehr vielen Darbietungen, genug Faden für Jahrzehnte! Diesen Faden würde ich jedem Anfänger empfehlen, sodass man ein Gefühl dafür bekommt, was der Faden aushält, und wie die Lichtverhältnisse sein sollten.

Ein Stück statischen Faden habe ich immer in meiner Geldbörse und bin so nach kurzer Vorbereitung immer für eine spontane Darbietung bereit.

Das Invisible Thread Reel:

Das ITR ist eine geniale Erfindung. Im Prinzip handelt es sich um eine elastische Spule, auf welcher ein statischer Faden aufgewickelt ist. Vom Prinzip ähnlich wie bei einem Ringzieher wird so der Faden aus dem Reel gezogen, und anschließend, wieder eingezogen.

Das Reel wird z. B.: auf der Innenseite des Jacketts befestigt und man ist immer sofort einsatzbereit. Ein wahrer Traum. Ich selbst habe in all meinen Jacketts immer 2 Reels angesteckt, sodass ich für den Fall, dass ein Faden reißt, immer noch ein Backup habe.

Reels gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und ich habe so gut wie alle schon ausprobiert, um am Ende wieder bei einer ganz simplen mechanischen Variante mit Gummizug zu landen. Dieses System ist nicht nur das zuverlässigste, sondern auch noch das preiswerteste. Das Mechanische Reel kann ich selbst warten und reparieren, sollte einmal etwas passiert sein und ich bin mit diesem System seit Jahren sehr zufrieden.

Der elastische Faden:

Elastische Fäden sind eine tolle Erfindung. Hier gibt es die unterschiedlichsten Varianten (wie bei den anderen Fäden auch) des „Setups“ – besonders bewährt haben sich sogenannte Loops.
Hier wird aus einem unsichtbaren elastischen Faden eine Schlaufe geknotet (oder schon fertig gekauft) und dann am Handgelenk wie ein Armband getragen. So ist man sofort einsatzbereit und kann scheinbar spontan jederzeit Objekte animieren und schweben lassen.

  • pro: einmal am Handgelenk ist man sofort einsatzbereit
  • pro: nach der Vorführung sofort wieder einsatzbereit (instant Reset)
  • contra: bei Loops ist der Abstand zum Schwebeobjekt ein wenig eingeschränkt

Sie werden sehen, wenn sie sich ein wenig mit Fäden und ihren Möglichkeiten spielen, werden Sie rasch auf die unterschiedlichsten Set-ups kommen und schon bald Erfolge verzeichnen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Freude beim Zaubern.
Philipp Kainz


Über den Zauberkünstler Philipp Kainz:

Philipp Kainz wurde 1984 in Wien geboren.
Seit seiner Jugend beschäftigt er sich mit Zauberkunst und konnte erfreulicherweise sein Hobby zum Beruf machen.
Neben regelmäßigen Engagements in Bars und Hotels zaubert Philipp Kainz auch immer wieder auf Kreuzfahrtschiffen.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.philippkainz.com