Theorie-Workshop: Charakterfindung für Zauberkünstler

Von am Jul 13, 2015 in Allgemein, Tipps & Tricks

Tobias Ismaier Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Jeder Zauberkünstler macht sich Gedanken über sein Material, seine Requisiten und seine jeweiligen Skripte bzw. Präsentationen. Doch die allerwenigsten machen sich tatsächlich aktiv Gedanken darüber, wer sie auf der Bühne überhaupt sind. Zu wissen, welcher Charakter man in der Zauberkunst ist, spielt eine extrem große Rolle und wirkt sich nachhaltig auf das eigene Programm aus. Was ist wichtig bei der eigenen Charakterfindung? Wir haben ein paar Punkte zusammengetragen.

 

Die eigene Persönlichkeit

 

Wer bin ich im “echten Leben”? Bin ich ein seriöser Banker oder der Klassenclown? Bin ich offen gegenüber anderen? Bin ich etwas langsamer oder extrem aufgeweckt? All das gehört zum eigenen Charakter. Sie sollten Ihre Persönlichkeit in der Zauberkunst immer Ihren wahren Charakterzügen anpassen. Das steigert die Authentizität Ihrer Person und so auch die Sympathie beim Publikum. Und wenn Sie dem Publikum sympathisch sind, steht einer erfolgreichen Performance nichts mehr im weg.

 

Rollenspiel?

 

Wenn man sich ausführlich mit seinen Charaktereigenschaften beschäftigt hat, sollte man sich überlegen, welchen Charakter man letztendlich in der Zauberkunst einnehmen möchte. Da gibt es im Grunde zwei verschiedene Möglichkeiten:

  1. Das Schlüpfen in eine Rolle:Hier erfinden Sie Ihren Charakter neu und erschaffen eine eigene Kunstfigur, die bei Vorführungen in Erscheinung tritt. Ein Beispiel ist der liebenswerte Drache “Piff, the Magic Dragon”, gespielt von John Van der Put. Das ist ein absolutes Musterbeispiel: Hier ist das Skript, das Kostüm und die benutzten Requisiten komplett an den eigenen Charakter angepasst. Wer vom humorvollen Drachen noch nichts gehört hat, sollte sich dringend ein paar seiner Vorführungen ansehen – eine Lehrstunde in Sachen Charakterfindung.
    (https://www.youtube.com/watch?v=HybdQUCepFw   …bei dem dort gezeigten Kartentrick handelt es sich übrigens um “VDP” von John van der Put… erhältlich bei SteMaRo-Magic.de)
    Doch auch hier gilt: Der erfundene Charakter sollte mit den Eigenschaften Ihres echten Charakters einhergehen. Sonst wirkt er aufgesetzt und das nimmt einem oftmals die Glaubwürdigkeit beim Publikum.
  2. “Ich bin einfach nur ich”:Das ist natürlich auch eine Option und erleichtert es Ihnen ungemein, während einer Vorführung auch authentisch zu sein. Hierbei ist es immer wichtig, sich bei jedem Schritt zu fragen: Würde ich das im “echten Leben” auch so machen? Würde ich diese Kleidung wirklich tragen? Passen diese Requisiten zu meinem “echten Ich”? Diese Wahl dieses Charakters ist wohl für die meisten Anfänger die beste Wahl, da man sich nicht verstellen muss und sich mehr auf die eigentliche Zauberei fokussieren kann.

 

Die Auswahl geeigneten Materials:

 

Im Kern dreht sich bei einer Zaubershow natürlich im Wesentlichen trotzdem alles um die Zauberei. Doch welche Zaubertricks passen ins Programm und zum eigenen Charakter? Das lässt sich meistens sehr schnell erfühlen. Ein ernster Mentalist sollte in seinem Programm natürlich keine Ballontiere basteln. Genauso wenig sollte ein als Pirat verkleideter Kinderzauberer die Gedanken seines Publikums lesen. Selbstverständlich sind das Extrembeispiele und es ist nicht immer ganz so offensichtlich. Deswegen ist es durchaus nicht falsch, im Zweifel eine Routine einfach ins Programm zu stecken und auszuprobieren. Hier werden Sie ziemlich schnell merken, ob der Effekt zu Ihrem Charakter passt.

 

Kleidung und Requisiten

 

Die Auswahl des Outfits und der verwendeten Requisiten ist ebenfalls sehr wichtig, denn sie trägt ungeheuer zur Präsentation des eigenen Charakters bei. Im Beispiel “Piff” weiß man von der ersten Sekunde, mit wem man es hier zu tun hat – und das ohne ein gesprochenes Wort des Zauberkünstlers. Die Auswahl trägt allgemein auch zur Atmosphäre bei und sollte deshalb auf keinen Fall unterschätzt werden. Gerade bei den Requisiten wird oft nicht so viel Wert auf das Äußere gelegt, Hauptsache sie funktionieren. Doch das Publikum merkt unterbewusst genau, wenn etwas nicht zusammenpasst. Das senkt nicht nur Ihre Authentizität auf der Bühne, sondern schöpft auch Verdacht, dass das Geheimnis nur in den Requisiten liegt.

 

Abschließende Bemerkungen

 

Beim eigenen Charakter gibt es natürlich kein Richtig oder Falsch. Jeder sollte den Charakter einnehmen, in dem er sich besonders wohl fühlt und mit dem er die beste Performance abliefern kann. Den passenden Charakter hat man natürlich auch nicht von heute auf morgen gefunden, das ist ein langjähriger Prozess über hunderte Vorführungen hinweg. Auch hier gilt wieder das Prinzip “Trial and Error”.

Also viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!