Theorie-Workshop: Wie man Zaubertricks und Zauberkunst richtig übt

Von am Jan 19, 2017 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Tobias Ismaier Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

In der Zauberkunst gilt dieselbe Regel wie in allen anderen Kunstformen auch: “Übung macht den Meister”. Ein Zauberkünstler kann nur leider nicht genauso üben wie jemand, der ein Instrument spielt, da er in der Regel häufig mit seinem Publikum interagiert. Das lässt sich alleine natürlich schlecht üben und stellt Einsteiger häufig vor Probleme. Denn nur weil ein Kunststück vor dem Spiegel super klappt, heißt das noch lange nicht, dass es bei menschlichem Publikum funktioniert und gut ankommt. Aber wie übt man schließlich richtig? Man kann ja schlecht aus Fehlern lernen, wenn man sich dafür jedes Mal beim Publikum blamieren muss. Wir stellen Ihnen fünf einfache Schritte vor, in denen Sie Ihre Routine nach und nach perfektionieren können.

 

Schritt 1: Tricktechnik und Skript

 

Zuerst müssen Sie sich ihr Kunststück natürlich gut einprägen und stets wissen, welcher Griff als nächstes kommt. Dasselbe gilt für Ihre Präsentation bzw. für das Skript. Üben Sie die Griffe und Ihren Vortrag solange, bis Sie den Effekt ohne Unterbrechungen und technische Mängel für sich selber vorführen können.

 

Schritt 2: Zaubern für den Spiegel

 

Der Spiegel sollte Ihr erster Zuschauer sein. Versuchen Sie, Ihr neues Kunststück samt Skript für Ihren Spiegel vorzuführen. Das ist am Anfang vielleicht ein komisches Gefühl, hilft aber enorm, Routine in die Techniken und in das Skript zu bringen. Achten Sie dabei genau auf Ihre Griffe. Führe ich sie flüssig aus? Sieht man etwas blitzen? Sieht etwas unnatürlich aus? Auch Ihre Gestik und Mimik lässt sich durch regelmäßiges Üben vor dem Spiegel schnell verbessern.

 

Schritt 3: Zaubern für die Kamera

 

Ihr Spiegel ist ein tolles Tool zum Üben, sagt Ihnen aber tatsächlich nicht immer die Wahrheit. Denn unterbewusst sieht man an kritischen Momenten ab und zu weg, beispielsweise bei einem schwierigen Griff. So sieht das Kunststück vielleicht im Spiegel gut aus, in der Realität kann das jedoch ganz anders aussehen. Deswegen ist es immer gut, seine Darbietung mit einer Videokamera aufzunehmen. Die Kameramethode bietet gegenüber dem Spiegel zudem den Vorteil, dass Sie sich voll und ganz auf Ihr Kunststück konzentrieren können und nicht gleichzeitig im Spiegel nachprüfen müssen. Sehen Sie sich die Aufnahme an und notieren sich mögliche Ungereimtheiten. Das wiederholen Sie solange, bis sie mehrere tadellose Vorführungen eines Kunststückes auf Band haben.

 

Schritt 4: Das erste Mal vor Publikum

 

Das ist sicherlich der größte und schwierigste Schritt, den man als Zauberkünstler beim Übungsprozess antreten muss: Die eingeübte Routine das erste Mal vor menschlichem Publikum zu zeigen. Doch auch hierfür gibt es eine ganz simple Lösung. Suchen Sie sich drei vertraute Personen aus Ihrem Freundeskreis oder Ihrer Familie. Diese weihen Sie dann in das Übungsformat ein, so müssen Sie sich keine Sorgen machen, wenn etwas schief gehen sollte. Ihre vertrauten Zuschauer sollten Ihnen zudem ehrliches Feedback zur Darbietung geben, so können Sie es für fremdes Publikum optimieren. Wichtig ist, dass Sie nicht für nur eine Person zaubern, denn man muss lernen, das Kunststück für mehrere Personen gleichzeitig und für verschiedene Zuschauertypen vorzuführen.

 

Schritt 5: Die Feuertaufe

 

Im letzten Schritt wird das Kunststück im Härtetest unter die Probe gestellt. Sie führen es so oft wie möglich vor verschiedenen Zuschauergruppen vor, die nicht für Ihre Darbietung bezahlen. Das ist ganz wichtig, denn dieser Schritt gilt als Generalprobe für das Kunststück. Wenn hier noch etwas schief geht, ist es nicht weiter dramatisch. In einer bezahlten Vorführung auf einem gebuchten Auftritt ist das schon deutlich unangenehmer. Deswegen ist es sehr wichtig, diesen Schritt noch einmal durchzugehen, bevor Sie das Kunststück auf einem Auftritt ausprobieren. Hier zeigt sich auch die Praxistauglichkeit der Routine: Wie lange ist die Vorbereitung? Ist der Trick winkelsicher? Wie lange dauert der Reset? Mit jeder Performance werden sie vertrauter mit dem Effekt und sind so optimal auf zahlendes Publikum vorbereitet.

 

Abschließende Bemerkungen

 

Diese fünf Schritte sind ein mögliches Grundgerüst, mit dem man sein Repertoire als Zauberkünstler verfeinern kann. Doch natürlich lernt jeder anders und so kann auch dieses System abgewandelt und an die eigenen Präferenzen angepasst werden. Wer Kontakt zu professionellen Zauberkünstlern hat, sollte diese auf jeden Fall um Ratschlag bitten, denn diese können Ihnen aufgrund Ihrer Erfahrung mit Sicherheit ein paar nützliche Tipps zum Üben geben.

Jame D. Grant beschreibt in seinem Buch “The Approach” sein tolles Konzept “Magic Friday”, mit dessen Hilfe Sie schnellstmöglich Erfolg beim Üben einer Routine erzielen können – sehr lesenswert und in Kürze im SteMaRo-Magic Zaubershop erhältlich!