Lampenfieber, mein Freund und Helfer – Warum zitternde Hände nur halb so wild sind

Von am Okt 5, 2015 in Tipps & Tricks, Wissenswertes

Anna van Lengen Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Der Magen schlägt Salti, die Hände zittern und die Knie sind weich wie Butter. Pünktlich vor dem nächsten magischen Auftritt schlägt das Lampenfieber mit voller Wucht zu. Immer dann, wenn wir es am wenigsten brauchen, macht es sich breit. Nur allzu gerne würden wir es nun wieder loswerden. Wir versuchen es mit Mentaltraining,  Atemübungen und Co. Müssen aber feststellen: auch dann löst sich das Lampenfieber nicht in Wohlgefallen auf. Wie wäre es also, sich damit auseinanderzusetzen, es anzunehmen, statt wie wild dagegen anzukämpfen?

 

Selbst der beste Magier ist nur ein Mensch

 

Wer mit der magischen Welt in Kontakt steh, Zutritt in dieses geheimnisvolle Universum gefunden hat, ist in den Augen vieler Zuschauer etwas ganz besonderes. Ja fast ein Übermensch. Er kann Dinge, die für viele Normalsterbliche einfach unglaublich scheinen. Umso sympathischer und nahbarer wirkt es, wenn selbst der größte Magier von etwas ganz und gar menschlichem und alltäglichem geplagt wird: von Lampenfieber. Manch einer mag nun denken, das würde seiner Autorität, seiner Kompetenz und Glaubwürdigkeit Abbruch tun. Doch das ist nicht der Fall. Gestehen wir uns Nervosität und Aufregung zu, merkt das Publikum, “das ist einer von uns, dem ergeht es genauso”. Sympathie und Empathie sind damit von Anfang an auf der Seite des Zauberkünstlers. Und noch etwas weiß das Publikum dadurch von Anfang an: dem da oben auf der Bühne ist die Sache ernst. Der ist Magier mit Leib und Seele.

 

Besser wird’s mit Lampenfieber

 

Sobald wir an Grenzen stoßen, macht sich Lampenfieber breit. Wir glauben, wir sind der Herausforderung nicht gewachsen. Auch als Zauberkünstler mit jahrelanger Erfahrung ist jede Show immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Eine andere Umgebung, ein unbekanntes Publikum. Schwupps, schon ist das Magenkribbeln da. Wie auf Kommando. Nun heißt es, das Lampenfieber anzunehmen. Sich der Situation zu stellen. Um dann festzustellen, dass man der Situation sehr wohl  gewachsen ist, dass die eigenen Grenzen wieder ein Stückchen weiter gerückt sind. Lampenfieber schafft Raum, um sich selbst zu überraschen und zu zeigen, wozu man selbst in der Lage ist.

Lampenfieber lässt uns also wachsen – und es gibt uns auch die Chance, uns besser denn je vorzubereiten. Überlegen wir also, was uns konkret Angst macht. Die Angst vor unvorhersehbaren Zwischenfällen? Davor, dass ein Zaubertrick daneben geht? Eine Illusion scheitert? Angst, dass das Publikum möglicherweise anders reagiert als geplant? Wovor haben wir wirklich Angst? Machen wir uns das Worst-Case-Sezenario klar. Setzen wir uns damit auseinander! Nun können wir uns schon im Vorfeld Strategien und Vorgehensweisen zurecht legen und einen Plan B entwerfen. Nun haben wir Handlungsweisen in der Hand und müssen uns nicht mehr von der Nervosität in die Knie zwingen lassen. Wir sind super vorbereitet – dank Lampenfieber.

 

Auf ins Gefecht

 

Wir sind also super vorbereitet; und doch – Sekunden vor dem Auftritt ist es schlimmer denn je. Jetzt nicht klein beigeben. Annehmen, raus auf die Bühne. Hormoncocktail wirken lassen. Auch wenn innerlich alles brodelt, beim Publikum kommt nicht mal die Hälfte davon an. Ganz im Gegenteil. Während wir meinen, wir sind hypernervös und kribbelig, erlebt das Publikum einen lebendigen, fröhlichen und passionierten Zauberkünstler, der für seine Sache brennt. Gepusht vom Adrenalin geben wir unser Bestes und liefern dem Publikum eine Show, das es so schnell nicht vergessen wird. Und dank Plan B kann uns nichts aus der Sache bringen. Und wer hat’s ermöglicht? Das Lampenfieber! Zauberhaft, oder?